Bezahlen für Fotos mit Tierbabys? Soooo süüüß.

Lama, Alpaca und Vikunja. Who is who? Und wieviel kostet ein Foto mit ihnen?  Erstmal eine kurze Lamakunde.

Lamas sind zusammen mit Vikunjas die Gruppe der Neuweltkamele. Wer hätte gedacht, dass es Neuweltkamele gibt?

Das ist ein Lama. Und zwar das mit den amtlich geilsten Wimpern von Peru.

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Und das sind Vikunjas.

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Und das sind Alpaca, Hauptpreis in der Kategorie wuschelig.

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Alle drei sind Stars im Land und bei den Touristen.

Ein bisschen ist es manchmal wie in einem Peru-Park. Noch dazu, wenn Kinder gelangweilt um Brunnen tanzen, sobald der Touristenbus kommt. Ich würde das lieber nicht so haben, aber der Bus hält und dann ist die Musik an und die Tiere da und natürlich die vielen Schnullidinge. Wir kaufen viele Schnullidinge, mehr als in jedem anderen Land, denn Schnullidinge kaufen ist besser als Geld einfach so geben. Es fühlt sich fairer an. Ob wir schon Alpacapullis haben? Wäscht der Papst gern Füße?

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Und dann haben sie Tiere. Vögel und Alpacas. Und das ist lustig und trotzdem fühle ich mich unharmonisch damit. Niemand wird doch gern abgezockt und niemand lässt sich gern mit Almosen abspeisen oder mitleidig überbezahlen und trotzdem begegnen wir uns so.  Die Menschen sind sehr nett dabei, lachen offen und bedrängen einen nicht arg. Trotzdem. Hören sie auf zu lachen, sobald man weg ist? Sie wirken auf mich so nett. Ich kann mir da eigentlich kaum vorstellen.

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Das, was mich am meisten in Unruhe versetzt, ist die Kombi aus Menschenkind und Tierkind, denn auch die Kinder hier laufen herum und warten, ob Touristen kommen, dann zeigen sie ihnen die niedlichen Lama- oder Alpacababys. Tierbabys sind ja zum Beklopptwerden süß. Die Menschenkinder hier in Peru sind auch von solch rundbackiger verbrannter Feste wie ein wunderbarer Brotlaib.

Mit einem Kind auf Reisen, ist es fast unmöglich, nicht zu den Tierbabys zu gehen.
Ja, ich kann ihr sagen, dass die Kinder zur Schule gehen sollen, anstatt mit Alpacababys rumzulaufen, aber was sagt Inka daraufhin? Sie würde auch lieber mit Alpacababys herumlaufen anstatt zur Schule zu gehen.
Aber, aber, aber.
Aber, Mama, wenn wir das Geld brauchen, dann würde ich das doch für dich machen.
Aber, aber, aber.
Dann gehe ich eben nach der Schule mit den Alpacas zu den Touristen.
Immer eine Lösung parat, Fräulein Schlau.
Wenn sie nicht zur Schule gehen, lernen sie nicht lesen und schreiben.
Inka fragt, ob man ohne lesen und schreiben leben kann.
Ich muss zugeben, kann man. Tun ja viele. Man kann also nicht behaupten, dass man es nicht kann.
Es leben Gegenbeweise.
Aber, aber, aber.
Wer nicht zur Schule geht, kann nichts besseres als seine Eltern werden. (Das sage ich nicht. Das schreibe ich hierhin, um darüber nachzudenken. Ich habe darüber auch schon in Indien nachgedacht. Was ist ein gutes Leben? Wie einfach kann es sein?)

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Welche Ausreden könnten benutzt werden, wenn man doch Kinder mit Alpacababys fotografiert?
Ist „Aber die waren sooo süß“ ein Grund? Die wollten das doch so? Die haben doch angefangen? Ich habe ihnen auch viel Geld gegeben. Soll man erst recht nicht. Versaut die Preise. Wenn jemand sowas sagt, kommt mir wirklich ein bisschen was hoch. Schlimmschlimm, wenn Arme wirklich viel haben wollen.
Hier ein paar Ausrede:
Die Kinder haben Ferien.
Die Kinder sind Kitakinder
Die Kinder kaufen sich von dem Geld ein Buch.
Die Wissenden, die immer alles wissen, wissen, dass man wirklich nichts geben darf, vielleicht heimlich aus dem Bus fotografieren, aber nichts geben. Weil die Kinder so mehr verdienen als ihre Eltern. Dass sie so also arbeiten und dass sie so nicht zur Schule gehen.

Ich bin keine Wissende. Ich bin unterwegs, um immer weniger zu wissen. Ich beharre nicht auf meiner Meinung und noch dazu habe ich ein Kind dabei, dass aus Kindersicht wirklich gar nichts daran falsch finden kann, den ganzen Tag mit Tierbabys und Freunden unterwegs zu sein. Es hört sich nach einem Traumjob an. Und das hätte ich als Kind auch so gesehen. Ich spüre richtig, das kleine Strickchen in den Händen mit dem Tierchen dran, die Milchflasche in der Umhängetasche. Komm Yiyo, du weiches liebes Tier.
Weil ich immer gern erfahre, was Inka denkt, frage ich, was aus den Bettelkindern später wird, wovon sie leben wollen, wenn sie groß sind und nicht mehr niedlich.
Sie machen neue niedliche Bettelkinder, sagt Inka. Außerdem sagt sie, dass ich doch die erwachsenen Peruaner auch gern fotografiere. Am liebsten sogar die alten zahnlosen. Stimmt.
Und wenn das Lama nicht mehr niedlich ist? Dann bekommt es ein neues niedliches Lama.

Ich verstehe manchmal nicht, warum einige Menschen an zwei Stellen so genau wissen, wie der korrekte Hase zu hoppeln hat. Bei der Kindererziehung (also ob es wirklich nicht möglich wäre, dass jeder das nach seiner Art macht) und beim Verhalten Armen gegenüber. Diese latente Unterstellung, dass sie irgendwie schuld sind und einen auch noch belästigen. Noch dazu das Kotzmittel an Meinungen schlechthin: Wenn wir mit ihnen teilen, dann haben sie ja noch weniger Anreiz, eine Arbeit zu suchen, die gar nicht da ist.
Das muss man sich mal überlegen: Jemand, der eventuelle Kleidung, trägt die Kinder genäht haben, der eventuelle Fleisch isst aus widerlichster Zwangszucht, der eventuell seine Alltagsdrogen konsumiert, der eventuell mit einem erdvernichtenden, sinnlosen, geldherumschiebenden, alles optimierenden Job sein Geld für einen Urlaub verdient hat, der dann schön dahin fliegt, der sagt dann in diesem Land: NEIN, diesen Kindern darf man kein Geld geben, weil das falsch ist. Es ist eben falsch, wirklich, weil die dann nicht werden wie wir. Es ist ja ein Entwicklungsland, weil es sich entwickeln soll. Sie sollen einfach nicht betteln. Gut, es gibt Gründe, dass die Bevölkerung arm ist, aber sie sollen trotzdem was anderes arbeiten als betteln.
Mir wäre es auch lieber, dass es anders wäre. Ist es aber nicht!

Ich bin mit meinen Gedanke zu dem Thema nicht fertig. Alle meine Gedanken sind ein Zwischenstand.

Ich hatte zwischenzeitlich befürchtet, dass wir mit diesem Alpacababy nach Hause kommen, denn das Kind ließ es nicht los. Ein Monat alt und sehr müde. Es schlief im Arm von Inka ein. Ein harter Job als Fotomodell.

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Hier noch ein paar Alpacas, die in schöner Landschaft stehen und Pflanzen essen.

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5 Kommentare

  1. Hm, mach dir da doch mal weniger nen Kopf drüber: Hier auf der anderen Seite der Erde machen wir es doch genauso: Wir erwarten, dass die Alpenbewohner in Dirndl und Lederhosen rumrennen, machen ihnen ihre Natur kaputt damit wir mit Skiern immer schön den Berg runterfahren können und was passiert eigentlich mit den Kindern, wenn deren Eltern im Winter 12-14h am Tag arbeiten, damit sie den Rest des Jahres was zu Essen haben?
    Gibt man mehr, „verdirbt“ man vielleicht die Preise, dann leben die Leute halt vom Tourismus (siehe oben).
    Die einzige Frage, die ich für relevant halte: Will man wirklich die Kinder sehen, die mit den niedlichen Alpakas spielen? Wenn nicht, dann darf man dort halt nicht vorbeifahren…

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    • Kirsten Fuchs27. April 2016 um 13:00

      Hi Patrick.
      Kopfmachen ist ja mein Beruf. Das kann ich nicht lassen, aber an und für sich denke ich ja auch, dass es okay ist. Eben weil es eine Einnahmequelle ist und gar keine schlimme, wenn beide Seiten sich würdevoll verhalten.

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  2. … will mehr … Und Danke fürs dabei-sein-lassen!

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  3. Es ist richtig, dass Dich das in Unruhe versetzt. Es geht nicht darum, dass die Kinder was besseres werden als die Eltern. Es geht darum, die Kinder zu befähigen. Damit sie werden können, wer sie sein wollen. Damit sie die Wahl haben und ihr Leben nicht vorgezeichnet ist als Bettelkinder, Bettelerwachsene und Bettelrentner.
    Inka darf das in ihrem Alter natürlich völlig anders sehen.

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    • Kirsten Fuchs7. Mai 2016 um 23:53

      Hallo Anne,
      Ja, das stimmt. Das Problem ist nur, ob es wirklich Alternativen gibt. Am Titicacasee hat man uns gesagt, dass wir auf keinen Fall für Fotos bezahlen sollen und dass wir fragen sollen. Es war dort ein amerikanisches Paar, dass Kindern einfach ins Gesicht fotografierte, ohne zu fragen und das Geld schon in der Hand hatte. Das waren nicht einmal Kinder, die mit Tracht und Tier posierten. Das waren Kinder auf dem Nachhauseweg. Einmal hat die Amerikanerin einem ganz kleinen, spielende Kind Geld gegeben und gesagt, dass es das Geld Mama geben solle. Das war richtig Erziehung zum Betteln. Liebe Grüße, Kirsten

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